Ist das schön klingende Wort Interdisziplinarität nur eine nette Umschreibung für Chaos? Der Begriff „interdisziplinäre Zusammenarbeit“ hat sich im Gesundheitswesen zu einem Schlagwort entwickelt. Wo liegt seine Bedeutungskraft jenseits einer Modeerscheinung? Nicht immer ist es leicht, manchmal auch nicht sinnvoll, alles und alle unter einen Hut zu bekommen. Oft sind wir im Alltag zu einem Perspektivwechsel erst bereit, wenn der sprichwörtliche Hut brennt. Und genau darum geht es: sich auf eine neue Art des Denkens, der Zusammenarbeit einzulassen und das Wörtchen „interdisziplinär“ wirklich mit Inhalt zu füllen, um den individuell für Ihr Team passenden Hut zu finden. Wissen mehrt sich, indem man es teilt. Haben Sie schon einmal den Hausmeister Ihrer Pflegeeinrichtung gefragt, was er zum Thema Demenz zu sagen hat und wie er Bewohner mit einer dementiellen Veränderung wahrnimmt? Setzen Sie einmal seinen Hut auf, schlüpfen Sie in seine Position, unter seinen Hut und nehmen Sie eine andere Perspektive ein. Seine Antwort wird Sie überraschen. Fällt Ihnen auf, wie stark und wie maßgeblich die engagierten MitarbeiterInnen der Hauswirtschaft an der täglichen Gestaltung von Atmosphäre auf Ihrer Station beteiligt sind? Das lebendige Wirken dieser Profession ist alles andere als ein alter Hut. Wir erleben Unsicherheit und Unzufriedenheit im Pflegealltag häufig auch deshalb, weil wir gelernt haben, ausschließlich fachspezifisch zu denken. Einmal andere Hüte aufzusetzen, den eigenen Hut herumgehen zu lassen, erkennen, wann mir der Hut hoch geht und womit ich nichts am Hut habe - all das lässt uns behutsam aufeinander eingehen. Kreativität bringt uns an einen Tisch, verändert Denken, Fühlen und Handeln - und stärkt meine eigene Profession, weil Wissen sich mehrt, indem man es teilt. Von der Multiprofessionalität zum interdisziplinären Arbeiten - ich begleite Sie mit kreativen Mitteln und kreativen Medien in der kreativen Gestaltung Ihres Pflegeteams: „Besser der Hut ist verrückt als der Kopf“.

Als ich nach dem Abitur Mitte der 90er Jahre den damals noch weitgehend unbekannten Beruf der Musiktherapeutin für mich entdeckte, war ich Feuer und Flamme. DAS wollte ich sein! Eine wunderbare Kombination von Hobby und Wunschberuf auf den ersten Blick, die Berufung auf den zweiten. 1999 habe ich mein grundständiges, tiefenpsychologisch ausgerichtetes Studium der Musiktherapie an der Fakultät für angewandte Therapiewissenschaften Heidelberg mit dem Diplom abgeschlossen und mein Wissen in den 2000ern um den funktionalen Einsatz von Musik in Therapie erweitert. Mich fasziniert, dass Musik unser aller roter Faden ist, ein individuelles Merkmal unserer Identität. Gleichzeitig sind unscheinbare akustische Signale in der Lage, die Bewegungsbereitschaft unseres motorischen Nervensystems zu verbessern. Musik ist Leben, sie ist der Ausdruck vom Leben.

Als Freiberuflerin in unterschiedlichen Teams arbeiten und sie mitgestalten zu dürfen, habe ich immer als ein großes Geschenk erlebt. Ich ziehe meinen Hut vor den Herausforderungen des Pflegealltags, in denen ich oft hautnah mitfühlen konnte, was es heißt, sich manch gute Idee schlichtweg an den Hut stecken zu müssen. Über die Jahre, fast 20 an der Zahl, haben sich jedoch immer mehr Nahtstellen entwickelt, Gemeinsamkeiten statt Unterschiede schmücken unserer aller Hüte in den Begegnungen mit allen angrenzenden Berufsgruppen. Diese Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und Mitarbeiter aus Pflege, Betreuung und Hauswirtschaft sowie Angehörige zu befähigen, kreative Medien wie Musik sinnstiftend im Alltag und für die eigene Psychohygiene einzusetzen, ist mein großes Steckenpferd geworden. Ich habe Spaß daran, von anderen zu lernen, andere Hüte aufzusetzen und sehe täglich, wie die Menschen, die ich begleiten darf, von diesem Fokus auf Gemeinsamkeiten und dem berühmten Blick über den Tellerrand profitieren. Mögt ihr immer gut behütet sein!

Herzlichst,
Eure Simone Viviane

„Mit einem Hut in der Hand kommt man durch das ganze Land“: Ich halte meine Seminare und Vorträge weltweit und nehme Sie mit auf eine interdisziplinäre Reise voll von Emotionalität, Leichtigkeit und Alltagstauglichkeit.

Vor dem Engagement meiner TeamkollegInnen aus Pflege, Betreuung und Begleitung, den benachbarten Disziplinen und der Hauswirtschaft ziehe ich von jeher meinen Hut. Über die Hutkrempe hinaus können Sie gemeinsam mit mir in meinen Lesungen und Vorträgen denken, nachspüren und diskutieren: Was hat die Wahrnehmung von Musik und Klang mit unserem Tag-Nacht-Rhythmus zu tun? Warum sind Situationslieder für den Expertenstandard Ernährung bedeutsam und welche Verbindungen gibt es zur Profession der Hauswirtschaft? Kann Musik ein Mittel zur Sturzprävention sein? - „Manchen ist es schon bekannt, nicht im Hut steckt der Verstand!“

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Bücher & CDs

Mit Phantasie und Leidenschaft mache ich mich in meinen Texten und Büchern auf den Weg, unterschiedliche Professionen eines Pflegeteams miteinander ins Gespräch und ihr Know-How unter einen Hut zu bringen.

Musik in der Hauswirtschaft

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Zahncreme auf Spaghetti - Sinn und Sinnlichkeit in der Alltagsgestaltung von Menschen mit Demenz - Willig, S. in Leicht-Eckart, E. (Hrsg.) - Verlag Neue Merkur 2017

Musik in der Pflege

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Mit Musik geht vieles besser - Der Königsweg in der Pflege bei Menschen mit Demenz - Willig, S., Kammer, S. - Vincentz Network 2012

Musik in der Begleitung

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Musik bewegt - Mit Evergreens Herz und Hirn aktivieren - Jasper, B., Willig, S - Vincentz Network 2016

Musiktherapie in Fallgeschichten

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Klangspuren - Musiktherapie in Fallgeschichten - Willig, S. Co-Regie für B.Keller & C.Klären (Hrsg.) - Musik auf Rädern 2013

Herztöne

Kurze Geschichten zum Innehalten #6

Heimat steckt in vielen Dingen. Und immer im Detail. Er liebt alle Spiderman-Filme, der junge Mann, der auf dem Weg zum Profiboxer war. "I ́m dying“, sagt er kurz und knapp und treffend und offen und echt. Unsere Begegnungen in englischer Sprache finden ohne Musik statt. "Enjoy the silence", sagt er in Anlehnung an den wunderbaren Depeche Mode Song und grinst. Es wird so etwas wie unser geflügeltes Wort. Wir sitzen und reden und schweigen und teilen Stille gemeinsam. "Where is your guitar?" fragt er eines Tages in die Stille hinein ...

Herztöne lesen

"Mein Hut, der hat 3 Ecken“, kennen Sie dieses Spiel- und Gedächtnistrainingslied noch?…“und hätt` er nicht 3 Ecken, so wär`s auch nicht mein Hut!“ - Die Musiktherapie ist mein Ursprung, meine Quelle, meine Kernkompetenz, meine Profession, der all mein Wirken entspringt. Dabei gibt es „die“ Musiktherapie gar nicht. „Musiktherapie meint immer Musik in Therapie“ - so drückt es einer meiner Lehrer aus, Prof. Michael Thaut, Musiker und Neurowissenschaftler. Musik ist das Medium, das in der Begleitung und Begegnung wirksam wird. Musik ist das Medium, das behutsam für Kontakt und Begegnung sorgen kann und es gleichzeitig möglich macht, ganz bei mir zu sein. Musik vermag es, für Sicherheit und Geborgenheit zu sorgen, Körper und Seele gleichermaßen in ihre Obhut zu nehmen. Musik in Therapie ist alles andere als ein alter Hut - mit all ihren emotionalen und funktionalen Facetten und mehr als drei Ecken: Musik stimuliert komplexe kognitive, affektive und sensomotorische Prozesse im Gehirn, die mit Musik an sich überhaupt nichts zu tun haben. Ich arbeite neben dem person- und ressourcenorientierten Ansatz interdisziplinär mit den wissenschaftlich fundierten Methoden der neurologischen Musiktherapie. Die Möglichkeit, in der Musiktherapie gleichermaßen ein funktionales Trainingsprogamm wie auch ein kreatives, Beziehung gestaltendes Therapieangebot zu finden, kann eine bedeutsame Unterstützung in jedweder Art von Begleitung sein. In meinen Schwerpunktarbeitsgebieten Demenz, Neurologie und Palliative Care fühle ich mich zuhause.

Gerne werfe ich als Musiktherapeutin für Sie und Ihre Einrichtung meinen Hut in den Ring: auf Halbtages- oder Tagesbasis.

Musik unterstützt und vertieft rehabilitative Maßnahmen, ist ein Baustein auf dem Weg zurück ins Leben von Nicky: ich zeige dem Team, das hier konkret aus Familie, Lehrern Ergo- und Physiotherapie besteht, kleine, alltagstaugliche Kniffe mit Musik, mit denen sich z.B. Bewegungsanbahnung und Bewegungsradius trainieren und erweitern lassen.

Musik ermöglicht Nähe und Kontakt durch ihre spielerischen Einsatzmöglichkeiten auch und gerade in stressigen, herausfordernden und getakteten Momenten der Pflege - besonders dort, wo Sprache nicht mehr greift, Kommunikation auf Augenhöhe aber unverändert das Ziel ist - z.B. in der Begleitung von Menschen mit Demenz. Über die Sprache der Musik finden wir im Team neue gemeinsame Worte für unser Tun und entwickeln kreative Übungen - auch zur eigenen Psychohygiene.

Musik hilft, behutsam auszudrücken, wofür uns die Worte fehlen. Im Palliativen Setting erzählt Musik Geschichten vom Leben und ist praktische Lebenshilfe zugleich. Musiktherapeutische Methoden, die von Pflege, Medizin, Betroffenen und Zugehörigen gleichermaßen verstanden und eingesetzt werden, können Sie mit mir erarbeiten und trainieren. Ich freue mich auf IHR Team, Ihre individuellen Konzepte und unsere gemeinsame Entdeckung der interdisziplinären Zusammenarbeit.